Der Schmied
Tom Jäschke – zwischen Feuer, Stahl und Handwerk.
Was 2013 mit einem einfachen geschmiedeten Nagel begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu meiner heutigen Klingenschmiede in Ost-Brandenburg.
Der Weg zum Handwerk
Im Jahr 2013 lernte ich einen Schmiedemeister kennen und fragte ihn, ob er mir sein Handwerk einmal zeigen würde. Eigentlich wollte ich nur ausprobieren, wie es sich anfühlt, selbst am Amboss zu stehen und Stahl mit Hammer und Feuer zu formen.
Mein erstes Werkstück war ein einfacher geschmiedeter Nagel. Handwerklich nichts Außergewöhnliches – für mich aber der Anfang von etwas, dessen Entwicklung ich damals noch nicht absehen konnte. Diesen Nagel besitze ich bis heute.
Aus dem anfänglichen Ausprobieren wurde mit den Jahren eine immer intensivere Beschäftigung mit dem Schmiedehandwerk und der Metallurgie.

Stahl verstehen
Mit der Zeit reichte es mir nicht mehr, Stahl nur zu formen. Ich wollte verstehen, warum sich ein Werkstoff auf eine bestimmte Weise verhält – und welchen Einfluss Zusammensetzung, Wärmebehandlung und Verarbeitung darauf haben.
Daraus entwickelte sich eine intensive Beschäftigung mit unterschiedlichen Stählen, Damastverbunden und historischen wie experimentellen Verfahren der Metallurgie. Bis heute betreibe ich gelegentlich Rennöfen zur Eisengewinnung und beschäftige mich mit Tiegelstahl und Wootz. Dabei stelle ich Ausgangsmaterialien gezielt mit Kohlenstoff und weiteren Legierungselementen ein und untersuche, wie sich Zusammensetzung, Erstarrung und Weiterverarbeitung auf den entstehenden Stahl auswirken.
Für diese Versuche habe ich unter anderem eigene Öfen konstruiert und gebaut. Nicht jeder Versuch gelingt – gerade daraus entsteht jedoch ein Verständnis für Stahl, das sich nicht allein aus Büchern gewinnen lässt.

Beruf und Erfahrung

Mein beruflicher Weg ist seit vielen Jahren eng mit Metall und Stahl verbunden. Nach meiner Ausbildung zum Industriemechaniker habe ich mich zum Industriemeister weiterqualifiziert. Heute arbeite ich hauptberuflich als Schichtmeister in einem Stahlwerk der Region.
Auch die handwerksrechtliche Grundlage meiner eigenen Werkstatt gehört zu diesem Weg: Das Metallbaugewerbe führe ich im Rahmen der Eintragung bei der Handwerkskammer als fachtechnischer Betriebsleiter.
Berufliche Praxis, Schmiedehandwerk und meine eigenständige Beschäftigung mit Metallurgie greifen dabei ineinander. Vieles, was ich in meiner Werkstatt erprobe und anwende, baut auf diesem technischen Verständnis auf – ergänzt durch Fachliteratur, Austausch und vor allem praktische Versuche.
Der Schritt zur eigenen Klingenschmiede
Irgendwann begann ich, erste Messer zu fertigen. Anfangs entstanden sie ausschließlich aus persönlichem Interesse. Mit der Zeit kamen jedoch Menschen auf mich zu, die solche Arbeiten besitzen wollten.
Aus einzelnen Verkäufen entstand zunehmend der Gedanke, daraus etwas Eigenes aufzubauen. So entstand „Klingenschmiede & Metallgestaltung“, seit dem 01.01.2025 als Einzelunternehmen im Nebenerwerb.
Neben Hauptberuf und Familie entwickelte ich meine Werkstatt weiter, ergänzte Maschinen und Werkzeuge, verbesserte Arbeitsabläufe und baute nach und nach die Grundlage für individuelle Messer, Schmiedekurse und besondere metallgestalterische Einzelstücke auf.

Haltung zum Handwerk

Für mich bedeutet Handwerk Verantwortung – gegenüber dem Werkstoff ebenso wie gegenüber dem Menschen, für den ein Werkstück entsteht.
Bei einem Messer entscheiden nicht allein Optik oder ein besonderer Stahl über die Qualität. Geometrie, Werkstoffwahl, Wärmebehandlung und Verarbeitung müssen zusammenpassen und sich am tatsächlichen Einsatzzweck orientieren.
Deshalb gehört es für mich auch dazu, Kundenwünsche fachlich zu hinterfragen. Wenn eine gewünschte Materialwahl, Geometrie oder Konstruktion aus meiner Sicht nicht sinnvoll ist, spreche ich das offen an und suche gemeinsam mit dem Kunden nach einer besseren Lösung.
Ich fertige keine Produkte von der Stange. Meine Arbeiten dürfen Charakter und sichtbare Spuren ihrer Herstellung haben – entscheidend ist für mich, dass sie funktional, sauber ausgeführt und auf eine lange Nutzung ausgelegt sind.
